Monatsmagazin
Aktuelle Ausgabe März 2025
Liebe Leser*innen,
Wenn Sie dieses Magazin in den Händen halten, wird das Ergebnis der Bundestagswahl feststehen; bei Redaktionsschluss hatten wir nur Umfragewerte. Doch wie auch immer sich der nächste Bundestag zusammensetzt, die Gesellschaft wird sich endlich wieder daran machen müssen, Migration zu gestalten, statt nur zu wetteifern, wie Migration verhindert werden kann.
Es wird Zeit, Migrantinnen und Migranten endlich wieder als Bereicherung für unsere Gesellschaft zu sehen, für Kultur, Wirtschaft und das Zusammenleben. Vor allem aber sollten Migrantinnen und Migranten endlich wieder als das gesehen werden, was sie in erster Linie sind, nämlich Menschen wie wir alle, mit Menschenrechten und einer Würde, die laut Grundgesetz unantastbar ist.
Natürlich muss auch über Sicherheit geredet werden. Doch leben die meisten Attentäter und Amokläufer, die derzeit die Dabatte um unsere Sicherheit befeuern, schon seit vielen Jahren hier in Deutschland, haben sich oft erst hier radikalisiert. Eine Schließung von Grenzen nützt nichts, es schadet nur der Wirtschaft – und dem Zusammenwachsen Europas. Wenn überhaupt, dann kann höchstens ein stabiles soziales Umfeld und mehr Teilhabe an unserer Gesellschaft verhindern, dass sich Frust und Agression gegen eben diese Gemeinschaft richten.
Sicherheitsfragen gehören natürlich auch zum Gestalten von Migration. Doch wenn wir wollen, das Migration zu einer bereichernden Kraft wird, wenn wir wollen, dass die Migrantinnen und Migranten gleichwertige Teile dieser Gesellschaft werden – dann müssen wir uns auch für Chancengleichheit und eine bessere (Aus)bildung einsetzen, für mehr Sprachkurse ebenso wie für die Anerkennung von Abschlüssen, die im Ausland erworben wurden, für die Förderung von Mehrsprachigkeit ebenso wie für eine kultursensible Alterspflege, für mehr Wahlrecht ebenso wie für eine stärkere Repräsentanz von Migrantinnen und Migranten in Politik und Verwaltung. Vor allem aber müssen wir uns stark machen gegen jegliche Art von Diskriminierung und Ausgrenzung, gegen Rassismus und Antisemitismus.
All dies sollte eigentlich zu den Pflichtaufgaben eines Staates gehören. Migration positiv und produktiv zu gestalten, sollte ganz oben in jedem Regierungsprogramm stehen. Doch unabhängig von Parlamentsmehrheiten: bereits in der Vergangenheit war es vor allem die Zivilgesellschaft, auf die wir diesbezüglich bauen konnten. Und hier vor allem auf die vielen (post-)migrantischen Vereine, Initiativen und Organisationen, die mit ihrem unermüdlichen Engagement Tag für Tag Migration gestalten. Sie sind auf allen nur erdenklichen Gebieten aktiv, von Kita und Schule bis hin zur Betreuung von Senior*innen, von der Gesundheitsvorsorge bis hin zur Kulturarbeit, als Anlauf- und Aufnahmestelle für Geflüchtete ebenso wie für Facharbeiter*innen. Sie bekämpfen Diskriminierung und Ausgrenzung und sie forcieren eine stärkere Teilhabe und eines bessere Repräsentanz in Politik und Verwaltung.
Diese (post-)migrantischen Vereine und Initiativen zu stärken gehört zu den zentralen Aufgaben des Forums der Kulturen. Es muss dies aber auch im Fokus aller stehen, nicht nur der Politik sondern aller zivilgesellschaftlichen Initiativen und Organisationen, wenn wir nicht wollen, dass dieses Thema bei den nächsten Wahlen unsere Gesellschaft noch mehr auseinander treibt
Ihr Rolf Graser
Geschäftführer des Forums der Kulturen Stuttgart e. V.
(Ältere Ausgaben des Monatsmagazins stehen hier zum Download zur Verfügung.)
